
Martin Pollack
Mein Eindruck vom Ersten Internationalen Literaturfestival in Lviv: So, genau so sollen Literaturfeste sein. Lebendig, anregend, aufregend. Beeindruckend die Massen junger Menschen bei den Lesungen, ihr waches Interesse, ihre umwerfende Begeisterung. Die ukrainischen Kollegen sind wirklich zu beneiden. Schön waren auch die Begegnungen mit Freunden und Kollegen aus Polen, der Ukraine, Belarus, Litauen, Deutschland … Man wünscht sich mehr solcher Feste – und auf jeden Fall eine Fortsetzung in Lviv.
Mein Eindruck vom Ersten Internationalen Literaturfestival in Lviv: So, genau so sollen Literaturfeste sein. Lebendig, anregend, aufregend. Beeindruckend die Massen junger Menschen bei den Lesungen, ihr waches Interesse, ihre umwerfende Begeisterung. Die ukrainischen Kollegen sind wirklich zu beneiden. Schön waren auch die Begegnungen mit Freunden und Kollegen aus Polen, der Ukraine, Belarus, Litauen, Deutschland … Man wünscht sich mehr solcher Feste – und auf jeden Fall eine Fortsetzung in Lviv.

Jurij Andruchowytsch
Es war das erste Mal – so eine laute Präsentation von ein paar brillianten Europäischen Autoren in Lemberg. Ich werde nie vergessen, wie mein deutscher Freund Ingo Schulze sagte: Jetzt will ich wirklich ein ukrainischer Autor sein. Er sagte das wegen des Publikums – es war ebenfalls brilliant, es war angemessen. Das Publikum (und das Lemberger Publikum ist meiner Meinung nach das beste der Welt) war unglaublich enthusiastisch. Zunächst einmal waren es junge Leute – voller Faszinationskraft, humorvoll, enorm aufmerksam. Ich wage beinahe zu sagen: Während dieser paar Tage haben wir, die Autoren ebenso wie das Publikum, einige Grenzen durchbrochen, wir haben bewiesen, dass die Grenzen eigentlich überhaupt nicht existieren.
Es war das erste Mal – so eine laute Präsentation von ein paar brillianten Europäischen Autoren in Lemberg. Ich werde nie vergessen, wie mein deutscher Freund Ingo Schulze sagte: Jetzt will ich wirklich ein ukrainischer Autor sein. Er sagte das wegen des Publikums – es war ebenfalls brilliant, es war angemessen. Das Publikum (und das Lemberger Publikum ist meiner Meinung nach das beste der Welt) war unglaublich enthusiastisch. Zunächst einmal waren es junge Leute – voller Faszinationskraft, humorvoll, enorm aufmerksam. Ich wage beinahe zu sagen: Während dieser paar Tage haben wir, die Autoren ebenso wie das Publikum, einige Grenzen durchbrochen, wir haben bewiesen, dass die Grenzen eigentlich überhaupt nicht existieren.

Ilma Rakusa
Soviel Begeisterung ist selten. Und soviel junges Publikum. Es ist, als hätten die Lemberger just auf dieses Festival gewartet, das erste internationale Literaturfestival in ihrer Stadt. Ich habe mir viele Lesungen angehört, um festzustellen, dass zwischen den - inspirierten - Autoren und den - inspirierten - Hörern ein wirklicher Austausch stattfand, nach dem Motto: Literatur will etwas bewirken und kann es. Über Sprachen und Grenzen hinweg. Einzig den Podiumsdiskussionen fehlte es an einer gewissen Stringenz und Ausstrahlungskraft. Aber das fiel in Anbetracht des reichen Veranstaltungsangebots kaum ins Gewicht. Zumal das literarische Wort sich in Lviv als ebenso suggestiv wie dialogfördernd erwies. Eine ermutigende Erfahrung!
Soviel Begeisterung ist selten. Und soviel junges Publikum. Es ist, als hätten die Lemberger just auf dieses Festival gewartet, das erste internationale Literaturfestival in ihrer Stadt. Ich habe mir viele Lesungen angehört, um festzustellen, dass zwischen den - inspirierten - Autoren und den - inspirierten - Hörern ein wirklicher Austausch stattfand, nach dem Motto: Literatur will etwas bewirken und kann es. Über Sprachen und Grenzen hinweg. Einzig den Podiumsdiskussionen fehlte es an einer gewissen Stringenz und Ausstrahlungskraft. Aber das fiel in Anbetracht des reichen Veranstaltungsangebots kaum ins Gewicht. Zumal das literarische Wort sich in Lviv als ebenso suggestiv wie dialogfördernd erwies. Eine ermutigende Erfahrung!

Thomas Brussig
Unter den Literaturfestivals gibt es solche und solche. Entscheidend ist jedoch immer das Publikum. Es gibt ein Alter, in dem ein Mensch Fragen hat, an deren Beantwortung er mit einiger Entschlossenheit sucht. So kommt es, daß Bücher wichtig werden. Die Ukraine ist ein junges Land, Lemberg eine Universitätsstadt. Das Land ist auf der Suche, durchlebt nach der Euphorie der Orangenen Revolution jetzt eine Durststrecke, und Studentinnen und Studenten betrachten sich auch nicht als fertige Menschen. So hat es mich nicht überrascht, daß das Lemberger Festival einen sagenhaften Zuspruch fand: Brechend volle Säle, und selbst die langweiligste Diskussion fand in einem völlig überfüllten Raum statt. Irgendwie schräg wars auch: Eine russische Schriftstellerkoryphäe erledigte seine Telefonate mal so während der eigenen Pressekonferenz, desweiteren wurde eine Diskussionsrunde zum Thema „Geopoetik“ angesetzt, obwohl sich keiner der Diskutanten diesen Begriff je gehört hatte, geschweige denn, sich einen Reim darauf machen konnte. (Nichtsdestotrotz wurde auch diese Diskussion überzogen.) Die Ausrichtung des Festivals war in erster Linie regional, post-sowjetisch, was ich richtig finde. Da der Ukraine nun mal vom Westen die kalte Schulter gezeigt wurde, thematisieren sie die eigenen Erffahrungen und gleichen sie mit Litauern, Russen, Weißrussen, Polen usw. ab. Respekt für diese Konsequenz, denn die Autoren aus diesen Ländern berichten immer wieder darüber, wie wenig Westler von ihnen erfahren wollen, und wie viel sie zu wissen glauben. Es ist immer schön, wenn ich ein Land bereise und hinterher weniger weiß als vorher. Und so war es auch diesmal. Das größte Rätsel: Da gibt es dieses herrliche Essen, das aus so heimtückisch köstlichen Mehlspeisen namens Blini oder Wareniki besteht – und trotzdem sind die Menschen so schlank!
Unter den Literaturfestivals gibt es solche und solche. Entscheidend ist jedoch immer das Publikum. Es gibt ein Alter, in dem ein Mensch Fragen hat, an deren Beantwortung er mit einiger Entschlossenheit sucht. So kommt es, daß Bücher wichtig werden. Die Ukraine ist ein junges Land, Lemberg eine Universitätsstadt. Das Land ist auf der Suche, durchlebt nach der Euphorie der Orangenen Revolution jetzt eine Durststrecke, und Studentinnen und Studenten betrachten sich auch nicht als fertige Menschen. So hat es mich nicht überrascht, daß das Lemberger Festival einen sagenhaften Zuspruch fand: Brechend volle Säle, und selbst die langweiligste Diskussion fand in einem völlig überfüllten Raum statt. Irgendwie schräg wars auch: Eine russische Schriftstellerkoryphäe erledigte seine Telefonate mal so während der eigenen Pressekonferenz, desweiteren wurde eine Diskussionsrunde zum Thema „Geopoetik“ angesetzt, obwohl sich keiner der Diskutanten diesen Begriff je gehört hatte, geschweige denn, sich einen Reim darauf machen konnte. (Nichtsdestotrotz wurde auch diese Diskussion überzogen.) Die Ausrichtung des Festivals war in erster Linie regional, post-sowjetisch, was ich richtig finde. Da der Ukraine nun mal vom Westen die kalte Schulter gezeigt wurde, thematisieren sie die eigenen Erffahrungen und gleichen sie mit Litauern, Russen, Weißrussen, Polen usw. ab. Respekt für diese Konsequenz, denn die Autoren aus diesen Ländern berichten immer wieder darüber, wie wenig Westler von ihnen erfahren wollen, und wie viel sie zu wissen glauben. Es ist immer schön, wenn ich ein Land bereise und hinterher weniger weiß als vorher. Und so war es auch diesmal. Das größte Rätsel: Da gibt es dieses herrliche Essen, das aus so heimtückisch köstlichen Mehlspeisen namens Blini oder Wareniki besteht – und trotzdem sind die Menschen so schlank!

Ingo Schulze
Ich habe schon über Lemberg geschrieben, bevor ich es kannte. Denn die Träume an sich sind ja auch interessant. Nun, da ich das “wahre³ Lemberg kennengelernt habe, erscheint es mir noch irrealer als das Ausgedachte. Die Lesung mit Juri in dem alten Theater verführte mich zu der Aussage: Ich wünschte, ein ukrainischer Schriftsteller zu sein. Es war nicht nur die Anzahl der jungen Leute, sondern auch die Aufmerksamkeit, mit der sie zuhörten. Außerdem ist es mir noch nie widerfahren, dass ich zum Abschluß der Lesung mit Süßigkeiten beschenkt wurde. Einen solchen Brauch sollte man doch auch in Deutschland einführen.
Ich habe schon über Lemberg geschrieben, bevor ich es kannte. Denn die Träume an sich sind ja auch interessant. Nun, da ich das “wahre³ Lemberg kennengelernt habe, erscheint es mir noch irrealer als das Ausgedachte. Die Lesung mit Juri in dem alten Theater verführte mich zu der Aussage: Ich wünschte, ein ukrainischer Schriftsteller zu sein. Es war nicht nur die Anzahl der jungen Leute, sondern auch die Aufmerksamkeit, mit der sie zuhörten. Außerdem ist es mir noch nie widerfahren, dass ich zum Abschluß der Lesung mit Süßigkeiten beschenkt wurde. Einen solchen Brauch sollte man doch auch in Deutschland einführen.
